Startseite
  Über...
  Archiv
  Casa Brasil
  1. Rundbrief
  2. Rundbrief
  3. Rundbrief
  Viva lá Vida!
  mein Projekt
  Gästebuch
  Kontakt
 


 
Freunde
    virginsuicide
    - mehr Freunde


Links
   Casa Brasil
   Thomas
   Elena


Webnews



http://myblog.de/camillanobrasil

Gratis bloggen bei
myblog.de





 

Brasil

Zwei Gesichter                     Eine Erfahrung

- Klappe die Zweite -

8ter Februar 2008


Liebe Freunde, liebe Verwandte, Bekannte, Unterstützer und all ihr lieben Menschen, die mich hier, bei meinem Dienst im Ausland begleitet!

Einige Zeit ist schon wieder vergangen, seit dem ich mich das letzt Mal bei Euch in dieser Form gemeldet habe.

Vieles ist schon wieder geschehen, viele Tage haben ihren Abdruck hinterlassen, die Zeit fließt, Pantha rei.

Mir geht es immer noch gut, mal mehr, mal weniger. Die ersten Krisen sind überstanden und mein Blick wieder zuversichtlich nach vorne gerichtet.

In diesem, meinem zweiten Rundbrief möchte ich Euch erzählen, wie ich mein Weihnachten verbracht habe, Silvester und meine Ferien, die mir ein wenig Auszeit geschenkt haben und meinen Kopf ein etwas frei pusten konnten.

Weihnachten in Top und Sandalen...

In meinem letzten Brief erzählte ich Euch von meinem Projekt und der Zeit vor Weihnachten. Ich habe viel Zeit damit verbracht mit meinen Kindern für unseren Auftritt zu proben, der am Freitag vor Weihnachten anlässlich der Weihnachtsfeier vom Casa Brasil stattfinden sollte.

Und dieser Freitag kam dann auch ganz schnell, viel zu schnell. Noch am selbigen Tag klappte nichts so wirklich wie es eigentlich sollte, die Konzentration ging im wahrsten Sinne des Wortes flöten und ich war etwas beunruhigt, dass das mit dem Ohrenschmaus für unsre Zuhörer nicht vielleicht doch eher zum angebrannten Häppchen werden würde.

Doch das, was ich in dieser zeit vor allem gelernt habe war, meinen Perfektionismus in eine Ecke zu stellen, ihn doch Perfektionismus sein zu lassen und in dem was schon gewachsen ist, einen gesunden grünen Spross zu sehen, den es gilt, sorgsam zu hegen und zu pflegen, auf dass er sich zu einem wunderschönen Baume entwickele.

Und zum Glück ist dann auch alles gut gegangen und unsre kleine Musikeinlage war ein Erfolg. Zwar alles andere als perfekt, aber den Kindern hat es einen riesen Spaß gemacht, was meiner Meinung nach das wichtigste an dem Ganzen ist, und das Strahlen in ihren Augen hat alle angesteckt und den ein oder anderen schiefen Ton gerne entschuldigt.

Sie wollten gar nicht mehr aufhören und waren einfach unglaublich süß in ihrer Euphorie.

Dieser unser erster Auftritt war wie ein Startschuss.

Danach sind meine Kleinen spontan, ohne dass ich davon wusste, da ich selbst nicht dabei war, in der Kirche des Bairros aufgetreten, was mich schon ein weinig stolz gemacht hat.

Und dann kam Heiligabend. Ganz plötzlich war er da. Ohne Vorwarnung, denn außer der mit Lichterketten geschmückten Häuser und ein wenig Weihnachtsmusik im Radio hat er sich für mich nicht deutlich angekündigt.

Doch als meine Eltern mich nachmittags angerufen haben, die ja auf Grund der Zeitverschiebung den Gottesdienst und das Abendessen schon hinter sich hatten, war er mit einem mal vollkommen präsent.

Und als mein Vater mich dann mit einem „Feliz Natal“ („Frohe Weihnachten“ begrüßt und unseren Weihnachtsbaum zum singen gebracht hatte ( für die, die ihn nicht kennen: unser Weihnachtsbaum steht schon seit dem ich denken kann in einem Weihnachtsbaumständer, der meiner Meinung nach aus dem vergangenen Jahrhundert stammen muss, der Weihnachtsmusik spielt und über den ich mich all die Jahre liebevoll lustig gemacht habe, da er ein Glanzstück erzgebirgischen Kitschs darstellt.) schossen die Tränen unaufhaltsam über meine Wangen und die Sehnsucht nach zu Hause, all dem Vertrauten und den Vertrauten war so nah, wie noch nie. Das gerade dieser Weihnachtsbaumständer meine Schleusen zu öffnen vermochte, hätte ich niemals gedacht. Es hat sehr gut getan, meine Familie wenigstens von Ohr zu Ohr bei mir zu haben und mir wieder gezeigt, was für ein großes Glück ich mit ihnen habe und wie sehr ich sie liebe.

Um halb neun Uhr abends haben meine Kinder und ich in der Kirche von Carlos, meinem begleitenden Pfarrer, an einem Weihnachtskonzert teilgenommen, was eine tolle Erfahrung für mich und uns war.

Mit ausgeliehenen Flöten, die einen sehr viel schöneren Ton als unsre Plastikföten zustande brachten, war es ein kleiner Ohrenschmaus, meine Kleinen ganz groß und ich richtig stolz.

In die Weihnachtsmesse, die nach dem Konzert um zehn Uhr begonnen hat, bin ich dann allein gegangen..

So habe ich mein erstes Weihnachten, weit weg von zu Hause also still, mit mir und meinen Gedanken und Erinnerungen allein, in mitten einer Schar liebenswerter Brasilianer genossen.

Es war eine sehr schöne Messe, das Krippenspiel sehr schlicht und authentisch (mit echtem Ehepaar und echtem Baby ) und ich hatte 2 Stunden Zeit, mir wieder einmal bewusst zu machen, dass ich tatsächlich in Brasilien bin, eine wahnsinnig tolle und einzigartige Erfahrung machen darf und mich jeder Tag aufs neue mitnimmt auf die Reise, in eine Kultur, die so anderes ist, als die mir bekannte.

Als Carlos dann um kurz nach Mitternacht uns allen seinen Segen gegeben hat und mit mir nach Hause gefahren ist, denn er ist ja der Bruder meiner Gastmama, hatten wir leider schon das gemeinsame Abendessen, die Bescherung und quasi den gesamten Heiligabend in der Familie verpasst. Das hat mich ein wenig traurig gemacht, denn meiner Meinung nach ist das Zusammensein an Weihnachten das wichtigste und ich hätte es sehr gerne miterlebt. Es ist hier nicht so, dass jeder jedem etwas schenkt. Um zwölf Uhr nachts umarmen alle, wünschen sich Frohe Weihnachten und die Mütter verteilen die Geschenke an die Kinder.

Ich habe den Rest des Abends dann hauptsächlich mit Luiz verbracht und meinerseits ebenfalls Geschenke verteilt.

Es war ein ganz anderes Weihnachten, als ich es bisher kannte, mit einer ganz anderen Atmosphäre und auch ganz anders, als ich es mir hier vorgestellt hatte, aber dennoch war es ein schöner Abend und ich bin froh, dass ich es, trotz Sehnsucht und anfänglichem Kloß im Hals, genießen konnte.

Feuerwerk unter Palmen und mit dem dicken Zeh im Atlantik...

Silvester war schön. Ja, Silvester war wirklich schön.

Ich habe Silvester mit Elena, einer Freundin, die im 3 Stunden entferntet Piripiri MAZ (Missionar auf Zeit) gemacht hat und die ich auf einem Seminar in Deutschland kennen und hier in Brasilien lieben gelernt habe, Ana und Luiz, am wunderschönen Strand Pedra do Sal („Strand der Salzsteine“ verbracht.

Mit den Füssen im Meer, dem wunderschönen brasilianischen Sternenhimmel über unseren Köpfen, dem Rauschen des Meeres in unseren Ohren, dem Wind in unseren Haaren, dem Geruch von Salz und Sand in unseren Nasen, den uns Liebgewordenen an unserer Seite und dem Gefühl von Freiheit in unseren Herzen hat uns das neue Jahr in Empfang genommen. Wir haben uns mit gut gekühlten Bierchen zugeprostet, uns in den Sand fallen gelassen und, ein wenig abseits vom Partyvolk, die ersten Stunden des Jahres genossen. Einige meiner Freunde vom Casa Brasil haben sich zu uns gesellt und es war eine rundum schöne Nacht.

Eine Nacht die morgens gegen fünf Uhr von einem kühlen Regenschauer beendet wurde und uns nach einer einstündigen Wartezeit auf einen freien Platz im Bus nach Hause geleitet hat.

Gemütlich, zufrieden, verzaubert.


Urlaub, durchatmen, Kraft tanken, Roadtrip...

Den langersehnte Urlaub, ein wenig freie Zeit, weit ab von Flötentönen und Kindergeschrei, endlich, habe ich zusammen mit Ana in einem schwarzen Fiat Pickup genossen. On the Road, Baby!

Wir haben uns aufgemacht, um Elena zu verabschieden, deren Zeit hier in Brasilien nach einem halben Jahr schon zu Ende war, um Anas Familie im Interrior von Pirpipri zu besuchen, einen Abstecher in Batalha zu machen und mein eventuelles Projekt in Esperantina zu besuchen.

Soweit unsere Planung - und eine Woche Zeit.

So sind wir also hinausgefahren aus Parnaiba, hinein in die brasilianische sonntägliche Mittagshitze, immer gen Süden.

In Piripiri angekommen haben wir uns mit Elena getroffen, ihre Gastfamilie kennengelernt, eine schöne Abschiedsfeier miterlebt und ihre letzten zwei Tage mit ihr verbracht. Es war ganz seltsam für mich einen Abschied, mit packen, verabschieden, fehlende Fotos schießen, dem letzten Gang zum Tante-Emma-Laden des Vertrauens bis hin zum letzten Winken an der Rodoviaria (Busbahnhof)

eben all dem, was mir ja in einem halben Jahr auch bevorstehen wird - hautnah mitzuerleben.

Einerseits wäre ich gerne mit ihr in den Bus gestiegen, anderseits war ich sehr dankbar dafür, noch ein halbes Jahr länger bleiben zu dürfen.

Ana hat in Piripiri durch Zufall ihr Cousine Alcimone ausfindig gemacht, bei der wir eine Nacht geschlafen haben und zwischen der und Ana ein ganz enges, für jeden zu spürendes Band besteht. Sie kennen sich nur flüchtig und doch ist es so, als seinen sie als Schwestern zusammen groß geworden.

Alcimones kleine Tochter Anny Roberta ist eine kleine Prinzessin, hat uns zwei direkt um den Finger gewickelt und sich zu Xuxa ( die weibliche und brasilianische Form von Rolf Zukowski) in unsere Herzen getanzt.

Dienstags morgens wurde ich dann umgehauen.

Der leibliche Vater von Ana, den sie vor 4 Jahren zum ersten mal gesehen hat und danach auch kein zweites mal, hat sie bei Alcimone besucht. Er saß da auf einem Sessel im Wohnzimmer und ich konnte nichts anderes denken als: „ Mensch Wahnsinn, die Nase! Seht ihr die Nase? Und die Augenpartie!? Und das Lächeln!?“.

Ich konnte meinen Blick einfach nicht von ihnen lassen.

Von ihm, dem großen Mann mit den großen Händen, locker in seinem Stuhl sitzend und doch nervös und unbeholfen die junge Frau, seine Tochter beobachtend, die er vor 20 Jahren nicht bereit war an zu erkennen.

Von ihr, die nicht weiß wie sie ihm gegenübertreten soll, der das ganze ein wenig peinlich ist, jedoch nicht unangenehm, in seinen Augen noch ein kleines Mädchen.

Und der Nase, nein, den Nasen, aus der gleichen Erbmasse, dem Wunder der Genetik.

Das war Wahnsinn mit zu erleben und sowieso war das, und alles das, was danach noch kommt, schöner als jede „Nur die Liebe zählt“- Folge.

Dieser große Mann, Anas Vater, hat uns dann zu sich nach Hause eingeladen. Er hat noch weitere 4 Kinder, alles Söhne. Wir sind nur kurz dort geblieben, da wir uns zum Mittagessen bei Anas Mutter im Interrior angekündigt hatten. (Also schon mal im Voraus... falls irgendwann jemand bei den ganzen Familienmitgliedern und –Verzweigungen nicht mehr mitkommen sollte, nicht stören lassen. Es war selbst für mich vor Ort verwirrend, und doch beglückend zugleich.)

Diese vier Söhne, Anas Brüder lernten wir dann ebenfalls kennen.

Und schon wieder ließ mich diese Ähnlichkeit staunend innehalten. Als ich Anas kleinen Bruder Edegar, 4 Jahre, sah, da sah ich Ana als Kind, schüchtern, mit diesem verschmitzten Blitzen in den tief dunklen Augen vor mir. Der gleiche verstohlene Kinderblick, das gleiche verschmitze Lächeln, frech und doch sanftmütig. Ana.

Die zwei mittleren Brüder, Marcos Antonio und Mailson waren eher zurückhaltend und bei ihnen war auch in dieser kurzen Zeit zwar Ähnlichkeit zu erkennen, jedoch nicht in dem Maße wie ich es bei dem Jüngsten und auch dem Ältesten erlebt habe.

Der Älteste, Mike Tyson, 17 Jahre, schon ein junger Mann, groß, ruhig aber sehr interessiert, Äußerlich ganz der Vater und... Ana. Die Nase! Ich kann es immer nur wiederholen.

Aber nicht nur die Nase. In der ganzen Gestalt erkannte ich Ana wieder . Ana in maskulin.

Es war verrückt!

Soweit zum Familienteil väterlicherseits.

Und weiter ging die Reise in unserem geliehenen Pick Up, über roten Schotter, immer tiefer ins Interrior hinein.

In Caraibas, dem Dorf in dem Anas Mama, Oma, Tanten, Onkel, Cousinen, Großnichten- und Neffen wohnen angekommen, wurden wir schon sehsüchtig erwartet. Wir stiegen aus und Anas Mama kam uns schon freudestrahlend entgegen.

Der gleiche Gang, die gleichen Schultern, die gleichen Augenbrauen, Kinn und Wangenknochen. Soweit zum Äußerlichen.

Es war ein Fest. Alle freuten sich riesig und haben uns ein köstliches Mittagessen zubereitet. Danach wurde geredet, geredet, geredet. Über alles. Es war nicht so, als sei die „verlorene Tochter“ heimgekehrt. Es wurde nicht viel Trara und Tamtam veranstaltet. Nein, es war eher so, als wäre ein Familienmitglied, dass in einer entfernten Stadt wohnt, auf Heimatbesuch.

Und im Grunde ist es auch genau das gewesen. In dieser Familie ist Ana immer da. Sie wurde und wird dort stets mitgetragen in den Herzen all dieser liebevollen Menschen. Und es sind wahrhaftig viele Menschen...

Mittwochs morgens um 6 Uhr sind wir einer Einladung der etwas anderen Art nachgekommen. Wir haben ein Schwein zur Schlachtbank begleitet. Ich werde Euch einen ausladenden, detaillierten Bericht ersparen. Nur soviel: ich weiß jetzt, wie groß der Muskel Zunge in Wahrheit ist, dass die Gedärme einen ganzen 10 Litereimer füllen und dass kochendes Wasser Haare im nu von der Haut entfernt. Es war kein schöner Anblick und ich, als Tier- und besonders als Schweinefreund, den Tränen nahe. Aber es war eine Erfahrung wert.

Nun aber lieber wieder zu erfreulicheren Dingen.

Zwei wundeschöne Tage in Caraibas verbracht, ging es nun weiter nach Batalha, wo Ana ihre ersten vier Lebensjahre verbracht hat. Wir haben dort bei Freunden von Mary und Bernd gewohnt, einem lustigen, herzlichen 3-Frauenhaushalt.

Außerdem haben wir Anas altes Kindermädchen Nilza besucht, die jetzt, mit 39 Jahren ihr erstes Kind bekommt und in alten Erinnerungen geschwelgt und Geschichtenkisten gekramt hat. Für Ana war es ganz besonders, da das Band, welches zwischen den beiden besteht, dem ehemals kleinen Mädchen, welches mittlerweile zu einer jungen Frau herangewachsen ist und ihrem Kindermädchen, welches es umhegt und umsorgt hat, noch immer für jedermann und natürlich im besonderen für eben jene beiden, ganz deutlich zu spüren war.

Donnerstags abends habe ich mich dann nach Esperantina aufgemacht. Ich hatte dort Freitags morgens ein Gespräch mit dem Pfarrer über meinen eventuellen Aufenthalt dort und er hat mir in Frage kommende Projekte gezeigt.

Es hat mir geholfen, mir noch einmal ein Gesamtbild machen zu können, um dann im Endeffekt zu entscheiden, wie ich meine restliche Zeit hier in Brasilien gestalten möchte.

Den Freitagabend haben wir dann bei ein paar Bierchen unter Bergen von Fotoalben und Erinnerungen bei unseren Gastgeberinnen verbracht. Gelungen.

Das Wochenende verbrachten wir dann erneut bei Anas Mama im Interrior.

Bei dieser Familie fühlt man sich einfach pudelwohl. Die Atmosphäre, die dort herrscht, ist so wohlig warm, so liebevoll, dass man gar nicht wieder weg möchte.

Ich war Samstags abends mit Raimundinha, Anas Mama, ein Bierchen trinken und wir haben uns ganz intensiv unterhalten und auch Ana und sie hatten Zeit und Mut, sich auszusprechen und sich nach so vielen Jahren näher zu kommen. Es ist unglaublich und faszinierend; all das, was Mutter und Tochter gemeinsam haben, teilen, ohne es geahnt zu haben: Charaktereigenschaften, Leidenschaften, Ängste, Hemmungen, Gewohnheiten, die Haltung... Es ist verrückt, aber ich konnte mit eigenen Augen erfahren, wie bezeichnend und prägend eine Schwangerschaft sein muss. Was sich in 9 Monaten von der Mutter aufs Kind überträgt, ist ganz entscheidend. Die vielen Gemeinsamkeiten, die die zwei haben, können kaum durch Zufall oder die jährlichen Ein-Nachmittags-Besuche entstanden sein. Zauberhaft.

Sonntags haben wir für alle Pizza gemacht und konnten uns gar nicht mehr losreißen.

Doch da ja alles Schöne auch irgendwann ein Ende hat, mussten wir uns gegen Nachmittag verabschieden. Doch dieses Mal mit Ausblick auf baldige Rückkehr.

Ich habe uns dann in 2 Stunden nach Hause gefahren, während Ana alles nachklingen hat lassen, ihre Gedanken sortieren konnte und wir gemeinsam die Woche Revue passieren gelassen haben. Noch nie in meinem Leben waren 2 Stunden so kurz.

Zuhause angekommen waren wir zwei erfüllt von Glück und neuer Energie, als wüchsen in unseren Herzen Butterblumen gen Himmel.

Ich bin so unglaublich dankbar dafür, dass ich diese Erfahrung mit Ana teilen durfte. Es bedeutet mir sehr viel, dass ich eine Freundin, die für mich wie eine Schwester ist, dabei begleiten durfte, wie sie sich neu einfindet in den Kreis ihrer unbekannten „Ihren“, aufgenommen wird, als sei sie nie weg gewesen und erleben durfte, wie Mutter auf Tochter nach Jahren auf Tuchfühlung gehen und sich neu kennenlernen.

Und auch ich wurde dort mit einer Herzlichkeit auf und angenommen, die ehrlich und unverfälscht von Herzen kommt.

Kai Pflaume wäre stolz auf uns gewesen!

Carnaval in mitten bunt schimmernder Glitzerkostüme und balancierender Frauenpopos

Tja, so ganz war es dann leider doch nicht.

Carnaval habe ich mit meiner Gastfamilie und Freunden in Tutoja, einer Meeresstadt im Nachbarstaat Maranhao verbracht. Wir kamen Samstag dort an und waren im Haus des Opas der Familie untergebracht. Sehr einfach, noch nicht wirklich fertig gestellt, ohne fließendes Wasser aber ausreichend und gemütlich, von all den lieben Menschen umgeben.

Der Samstag war sehr schön. Wir sind früh morgens dort angekommen, haben es uns in unseren Hängematten gemütlich gemacht und waren mittags am Meer und in den Dünen, auf denen man sich vorkommt, als stünde man mitten in der Sahara und auf denen man abenfalls wunderbar auf Plastikflaschen hinunterschlittern kann, was einem wiederum ein gewisses Alpen-Schlitten-fahr-Gefühl gibt.

Abends ging es dann auf die Praca („Platz“, wo Axébandas (eine Musikrichtung des Carnavals, ähnlich dem Ska) ihre Rhythmen in die Nacht trugen und unsere Körper zum schweben gebracht haben.

Da in Tutoja der Carneval eher aus eben dieser Party auf der Praca und nicht aus einem Umzug mit Sambaschule besteht, habe ich dann beschlossen, Sonntags zurück nach Parnaiba zu fahren, dort mit Ana die Umzüge zu schauen und Montags wiederzukommen. Das habe ich dann auch gemacht, nur dass mein Magen da leider nicht ganz mitspielen wollte.

Denn nach ca. einer Stunde Umzug habe ich es nicht mehr ausgehalten und musste mich zuhause hinlegen. Mit Magenschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Schüttelfrost bin ich eingeschlafen und leider ist es bis jetzt auch noch nicht wirklich besser geworden. Die anderen 3 Tage in Tutoja waren dann ebenfalls begleitet von Übelkeit und ich konnte meinen Carnaval hier leider nicht wirklich genießen. Ich wurde zwar unglaublich liebevoll umhegt und umsorgt, aber ärgern tut es mich trotzdem sehr.

Morgen werde ich zum Arzt gehen und mich dann hoffentlich bald besser fühlen.

Denn mein Abschied steht vor der Tür und es gilt „Auf Wiedersehen“ zu sagen.


Und die Zukunft zwinkert mir verschmitzt ein: „ Komm doch mit! “ entgegen

Ja, nun sitze ich hier auf meinem Bett, schreibe diese Zeilen, erinnere mich daran, was schon alles war und schwebe gedankenverloren dem entgegen, was noch kommen mag.

6 wunderbare Monate mit Höhen und Tiefen liegen hinter mir und weitere 7 Monate verbergen sich noch hinter einem seidenen Vorhang.

Meine vorerst letzen Wochen hier in Parnaiba gehen zur Neige und ich bin unglaublich dankbar, für all das, was ich hier erfahren durfte. Gastfreundschaft, Herzlichkeit, Freundschaft, Festa, Geduld, Hilfsbereitschaft, Armut, Traurigkeit, Sehnsucht, Ausgelassenheit, Gespräch, Anerkennung, Nähe und Liebe.

All das wird mich stets voll Zufriedenheit zurückblicken lassen und auch zurücktreiben, nach Parnaiba, dem Anfang.

Doch nun beginnt ein neuer Abschnitt. Neue Aufgaben, die es zu bewältigen gibt, liegen vor mir, wie es ein mir sehr guter und wichtiger Freund so schön ausgedrückt hat, und voll Zuversicht schreite ich dem entgegen, was mir mein Weg bereiten wird.

Gemeinsam mit Ana werde ich für ca. 4 Monate nach Pedro II zu Maria Platen gehen und mir dort an der Ökoschule Thomas a Kempis meine Aufgaben suchen.

Ich habe mich entschieden, lieber länger dort zu bleiben und meinen Abstecher nach Esperantina wirklich nur einen Abstecher sein lasse, da ich denke, um effizient in einem Projekt mitzuwirken braucht es mehr als nur ein, zwei Monate.

Ich werde also als Besucher nach Esperantina kommen um das Radioprojekt, dass

mandacaru“, der Chor meines Vaters schon seit Jahren finanziell unterstützt, kennenzulernen und vielleicht einen kleinen Kreativkurs anbieten und danach hierher nach Parnaiba zurückkehren, um noch ein wenig mehr vom Leben in der Pfarrei von Pe. Carlos mitzuerleben, in die ich bis jetzt noch nicht wirklich einen Einblick bekommen habe. Soweit meine Vorstellungen.

Was das Leben im Endeffekt daraus machen wird, bleibt abzuwarten, doch voll freudiger Erwartung blicke ich dem entgegen was es für mich bereit hält und voll Dankbarkeit möchte ich mich nun auch von Euch verabschieden.

Danke für Eure Aufmerksamkeit, danke für Eure Unterstützung, finanziell wie ideell,

danke für Euren lieben Worte in schriftlicher Form sowie via Telefon und

vielen Dank für Euer Mittragen und Miterleben, wenn auch nur aus weiter Ferne.

Es grüßt Euch von Herzen

Eure Camilla aus weiter, doch in diesem Moment vielleicht ein bisschen näherer, Ferne


Camilla87@gmx.de

www.myblog.de/camillanobrasil





Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung